Fischer arbeitet mit Textilien und Stahl als vorrangigen Materialien. Sie experimentiert mit dem harmonischen Zusammenspiel von Farben, Formen und Proportionen. In einer Reihe von Arbeiten verwendet sie Latex, variationsreich über Wandhaufhängungen gespannt. Die Stoffe erscheinen straff oder in einem organischen Faltenspiel. Sie werden ergänzt durch elastische Bänder, die über und hinter der Hauptform verlaufen. Mal zeigen sich diese Bänder als Vertikalen, mal als lockere Bögen oder aufgerollt. Fließende und dynamische Elemente stehen im Kontrast zu einer formalen Strenge. Zu den textilen Wandarbeiten treten rote Stahlskulpturen hinzu. Sie greifen die geschwungene Gestalt der Stoffe auf und nehmen zugleich Bezug auf das Tonnengewölbe des Kunstraum34. Präzision, eine haptische Wirkung und ein besonderer Humor charakterisieren Jorinde Fischers Arbeiten.

Text: Anne-Kathrin Segler


Was von Jorinde Fischers Arbeiten abstrahlt ist ein schwer definierbares Schön, ein beglückend – bedrückendes Jaaa... Textilien, Industrieprodukte bilden den Ausgangspunkt von etwas, das man als Draperie bezeichnen könnte, wäre es nicht so offensichtlich entrückt von Figur, von Dekor. In synthetischer Eigenfarbigkeit präsentiert es sich, Stahl dient sichtbar oder unsichtbar als Aufhängung oder Gewicht, an Boden, Wand. Das Ergebnis oszilliert heftig, man will Wesen erkennen in diesen Hängungen, Zerrungen, Faltungen, kann es doch nicht, zu minimal ist der formende Eingriff, zu streng und klar seine Konzeption. Modell und Zeichnung bereiten den Wind für Stileis, Invisible Movement, Tension Orange, Titel wie Spaziergänge, barfuß auf Teppichboden...

What emanates from Jorinde Fischer’s work is an almost indefinable Nice, an exhilarating, oppressive Yeaah... Textiles, industrial products provide the starting point for something that could be referred to as drapery, if it weren’t so manifestly removed from shape, from décor. It presents itself in synthetically intrinsic coloration; steel serves, visibly or invisibly, as suspension or weight, on floors, walls. The results oscillate wildly, we want to detect an essence in these Hangings, Ruptures, Creases, and yet we cannot; too minimal the formative intervention, too rigorous and clear its conception. Models and sketches make ready the air for Stileis, Invisible Movement, Tension Orange, titles like wandering, barefoot across carpeted floors...

Text: Johannes Bierlein / engl. William Tayler